Wer hinter die Abdeckung in der Wand des noch nicht ganz fertiggestellten Hauses schaut, sieht erst einmal – gar nichts! Kein Kabel, keine Leitungen, nur dunkles Nichts. Doch hier, im Kellergeschoss des Neubaus, wurde nichts vergessen, sondern ganz bewusst gearbeitet. Leere Rohre in einem Neubau dienen als Reserve für die nachträgliche Aus- und Aufrüstung eines Gebäudes. Zum Beispiel für starke Leitungen, die es braucht, wenn am Abend die Bewohner nach Hause kommen und die Batterien ihrer Elektromobile aufladen wollen. Oder für zusätzliche Schaltungen, die im «Smart Home» der Zukunft zum Standard gehören werden – für die automatische Wärmeregulierung, die Waschmaschine und die Sonnenstoren, die aus der Ferne per App zu steuern sind.

Wohngebäude von heute werden zwar nicht bis in die Ewigkeit, aber doch für die nächsten Jahrzehnte bewohnt und belebt. Wie sich die Bedürfnisse ihrer Bewohner und vor allem die Technologie entwickeln, lässt sich nicht genau vorhersagen. Klar ist nur, sie werden sich wandeln. «Wer heute beim Neubau ausreichend Kapazitäten für die Vernetzung einplant und die Verteilerkästen grosszügig dimensioniert, kann die Gebäudeintelligenz von morgen auch später noch einbauen», sagt Thomas Lüem, Inhaber eines Elektroingenieurbüros mit Standorten in Dietikon, Baar, ­Sursee und Lenzburg.

Kapazitäten für Zukunftsthemen
Angesichts der rasch fortschreitenden Digitalisierung und der eingeleiteten Energiewende fragen sich ­Käufer von Eigenheimen oder Stockwerkeigentum, welche Möglichkeiten für den zukunftsorientierten Ausbau der Liegenschaften bestehen. Das Thema beschäftigt daher auch Investoren und Immobilienunternehmen, die entsprechende Vorkehrungen im Inter­esse der künftigen Eigentümer treffen müssen.

Über 1500 Bauprojekte hat die Thomas Lüem Partner AG (TLP) in den vergangenen Jahren mitplanen dürfen. Leerrohre spielten dabei eine wichtige Rolle; nicht alle sind später auch mit Kabeln befüllt worden. Einer der Gründe: Viele Geräte der heutigen Haustechnik lassen sich kabellos, über das Internet oder das Stromnetz steuern und vernetzen. Das berücksichtigt TLP daher heute schon in der Konzeption. Wichtig sind vor allem genügend Steckdosen, weil all die Geräte elektrischen Strom benötigen.

Smarte Häuser

In einem «Smart Home», frei übersetzt «Intelligentes Haus», sind die im Gebäude oder in den Wohnräumen verwendeten Geräte und Bedienelemente ­sowohl der elektrischen Anlagen als auch der Heizungs­-, Klima­- und Lüftungsanlagen sowie der Verschattungssysteme (Storen) untereinander vernetzt und für bestimmte Aufgaben programmierbar. Die interne und externe Kommunikationstechnik, die Multimedia-­ und ­Sicherheitstechnik kann ebenso in das «Smart Home» eingebunden sein wie die Anwendungen von Haushaltgeräten. Ferner lassen sich Assistenzfunktionen und Dienste für umgebungs­unterstütztes Wohnen («Ambient Assisted Living») sowie Sicherheitsfunktionen in ein intelligentes Gebäudesystem integrieren. Das «Smart Home» kann auf Wunsch auch über Smartphone und Internet angesprochen und mithilfe von Apps vom ­Anwender gesteuert werden.

Der Bauherr definiert die Smartness
In die Elektroplanung hinein spielt ein weiterer Mega­trend: Die Elektromobilität, welche gekoppelt mit einer dezentralen Solarstromproduktion, lokalen Energiespeichern und moderner Hausleittechnik, in Zukunft einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten soll. Voraussetzung dafür ist eine übergeordnete «smarte Intelligenz», die Haustechnik, Haus­geräte, Speicher sowie die Netzsteuerungen der Elektrizitätswerke miteinander verbindet.

Gerade das Beispiel Elektrofahrzeuge zeigt, dass eine vorausschauende Planung wichtig ist. Denn sie ­lassen sich «nur dann sicher betreiben, wenn die ­Infrastruktur für das Laden stimmt», sagt Thomas Lüem. So müssten die Ladestationen mit einer angemessenen Stromstärke installiert werden und benötigten je nach Einsatzort unterschiedliche Ausrüstungen. Das Aufladen der Akkumulatoren generiere jeweils hohe Ladeströme über einen längeren Zeitraum, so der Elektroingenieur. Für solche Belastungen sei die Erschliessungsinfrastruktur der Energieversorger für die Gebäude aber oft nicht ausgelegt. Mithilfe eines intelligenten Lastmanagements könnten dereinst mehrere Fahrzeuge gestaffelt und in vorbestimmten Zeitfenstern geladen werden.

Wie smart ein Haus wird, hängt massgeblich vom gewünschten Ausbaustandard ab, den der Investor definiert. Eine Basisinstallation beginnt bei intelligenten Storen in allen Räumen für Beschattung und Sichtschutz und einer Lichtsteuerung für den Wohnbereich. Zu einer umfassenden Ausrüstung gehört das gesamte Management des Hauses von Smart Metering und Energiespeichern, Klima und Lüftung über Zutrittssystem und Alarmanlagen, Multimedia-Komponenten und Entertainment bis hin zur Steuerung von Wellness-Einrichtungen.

Lohnende Investition
Ein solch mitdenkendes Wohneigentum hat natürlich seinen Preis, aber die Aufwendungen dafür sind eine weitsichtige Investition. Letztlich steigern sie den Wert der Liegenschaft. Obwohl es die meisten der genannten Einzelteile als Insellösungen heute schon auf dem Markt gibt, sind die dafür nötigen einheitlichen Standards noch nicht voll etabliert. Vorbereiten und zuwarten ist deshalb eine sinnvolle Strategie.

Im Haus selbst gilt es, an Anschlüsse und schaltbare Steckdosen, an Sensoren, Präsenz- sowie Brandmelder zu denken, und dies nicht nur an den üblichen, für TV- und Internetzugang geeigneten Stellen im Wohnbereich, sondern auch in den anderen Räumen. ­Thomas Lüem nennt das Entrée als Beispiel, wo die Bewohner Steckdosen zum Aufladen ihrer Handys erwarten. Die Aussenbereiche dürfen ebenfalls nicht vergessen gehen. Hier braucht es besondere Sicherungsmassnahmen, etwa für den Blitzschutz. Zum Gesamtpaket gehört zudem ein verlässlicher Service für den Unterhalt der komplexen Gebäudetechnik.

Das «Smart Home» erhöht nicht nur den Komfort und das Sicherheitsgefühl. Die Technik trägt durch Steuerungs- und Überwachungsmöglichkeiten zur besseren Energieeffizienz bei. Sie kann zudem als aufmerk­samer und unterstützender Assistent die spätere Lebensqualität erhöhen. Die heutigen Investitionen erlauben somit, dass Bewohnerinnen und Bewohner dereinst vielleicht deutlich länger in den eigenen vier Wänden leben können.

Gütsch Oberägeri, die Weichen sind gestellt

In der Überbauung Gütsch Oberägeri entstehen derzeit 22 moderne Eigentums­woh­nungen, alle mit Panoramasicht auf ­Berge und See. Die Alfred ­Müller AG hat die Weichen für eine smarte Zukunft der Im­mo­bilie gestellt: In der Autoeinstellhalle lassen sich die Plätze mit Ladestationen für Elektro­autos ausrüsten. Die dafür ­nötigen Rohranlagen sind eingelegt, und auf dem Elektro­tableau ist entsprechend Platz freigehalten. Die Steuerung der Storen ist inklusive einer indi­viduellen Wetterstation pro Wohnung bereits im Grundausbau enthalten. Für weitere «Smart Home»-Komponenten ist Platz in den Unterverteilungen reserviert, und die Installationsrohre sind grosszügig dimen­sioniert. Je nachdem, ob sich der Käufer bereits während der Realisation oder erst nach der Fertigstellung der Wohnung für ein Hausleitsystem entscheidet, kann er aus unterschiedlichen Lösungen wählen: Der Elektriker kann im Zuge seiner Installationen ein klassisches Leitsystem, das die Daten über Buskabel verschickt, montieren. Kommt der Wunsch nach «Smart Home»-Funktionalitäten erst nach der Bauvollendung auf, bieten sich eher Systeme mit Power Line Communication an. Diese ermöglichen mit kleinen Sensoren in Steckdosen und Geräten die Steuerung von fast allem mit Signalen über

die Starkstromverkabelung, ohne dass nachträglich zusätzliche Kabel verlegt werden müssen. Das Elektroplanungsunter­nehmen Thomas Lüem Partner AG hat die «Smart Home»-Komplett­ausrüstung bereits ­vorkalkuliert, damit den zukünftigen Eigentümern technisch und auch preislich kon­krete Entscheidungs­grundlagen zur Verfügung stehen.

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Grafik: Michael Bilgerig