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«Die Gestaltung der Arbeitsräume ist eine Frage der Firmenphilosophie»

«Die Gestaltung der Arbeitsräume ist eine Frage der Firmenphilosophie»

Für die Gestaltung der neuen Räume im Geschäfts­haus Quadrolith in Baar hat AstraZeneca die Büronauten AG aus Zürich beigezogen. Gesamt­projektleiter Felix Kühne sowie die Innenarchitektin Irina Meiser erklären im Interview, wie sie bei der Entwicklung des Raumlayouts vorgegangen sind und worauf man bei der Gestaltung von offenen Büroflächen besonders achten muss.

Was gefällt Ihnen besonders, wenn Sie durch die neuen Räume der AstraZeneca gehen?

Irina Meiser: Es ist für uns schön zu sehen, dass die Räume bei den Mitarbeitenden auf eine hohe Akzeptanz stossen. Auch dass es uns gelungen ist, mit den gewählten Materialien eine freundliche, warme Atmosphäre zu schaffen, freut mich sehr. 

Welche Tätigkeiten umfasste der Auftrag von AstraZeneca an Sie genau?

Felix Kühne: Der Auftrag umfasste das gesamte Designkonzept der Räume, die Entwicklung des Raumprogramms und die Gesamtplanung des Innenausbaus inklusive der Koordination mit den Fachplanern für Klima- und Lüftungsanlagen sowie Elektroinstallationen. Natürlich bedingte das eine enge Absprache mit dem Kunden, der Alfred Müller AG als Totalunternehmerin und allen beteiligten Unternehmen.

«Unser Ziel war es, Räume zu schaffen, die gut funktionieren, aber auch eine schöne Atmosphäre ausstrahlen.»

Irina Meiser, Innenarchitektin
Die Treppe ist nicht nur eine interne Verbindung, sondern auch ein Ort der Kommunikation.

Wie sind Sie bei der Entwicklung der Flächen vorgegangen?

Felix Kühne: Zuerst haben wir anhand mehrerer Workshops und Interviews mit den Verantwortlichen von AstraZeneca alle Anfor­derungen und Bedürfnisse analysiert und geklärt. Dabei stellten sich Fragen wie: Welches sind die Unternehmensvorgaben? Wie viele Räume von welchem Typ werden gebraucht? Was für Funktionen beinhalten diese Raumtypen, und welche Anforderungen müssen sie erfüllen? Wie viele Mitarbeitende mit welchen Bedürfnissen werden in den Räumen arbeiten? Auf der Basis dieser Analyse wurden mehrere Konzepte erarbeitet und mit den Anforderungen von AstraZeneca sowie den Rahmenbedingungen des Gebäudes abgeglichen.

Welche Vorgaben haben Sie von AstraZeneca erhalten?

Felix Kühne: Wir mussten die iWorks-Arbeitsplatzstrategie von AstraZeneca in die Planung einfliessen lassen. Kurz gesagt geht es dabei darum, dass um eine gewisse Anzahl Arbeitsplätze herum eine Landschaft mit Sitzungs-, Kollaborations-, Rückzugs- und Aufenthalts­räumen geschaffen wird.

Können Sie das Layout noch etwas genauer erklären?

Felix Kühne: Die Bürozonen werden in sogenannte Neighbourhoods aufgeteilt, und dann werden die verschiedenen Abteilungen diesen Flächen zugewiesen. Das Konzept mit den Neighbourhoods hat den Vorteil, dass sich die verschiedenen Teams schnell zurechtfinden und ihre Mitglieder sich immer in den gleichen Arbeits­platz­zonen aufhalten. Neben den Neighbourhoods ist die Town Hall ein weiteres zentrales Element. An diesem als Treppe konzipierten Ort der Kommunikation werden auch die monatlichen Mitarbeiterversammlungen durchgeführt. Gleichzeitig fördert die interne Erschliessung den Austausch über die Stockwerke hinweg. Die grosse Cafeteria schafft zusammen mit der Terrasse einen weiteren attraktiven Treffpunkt. Sie wurde ebenfalls so gestaltet, dass sie für informelle Besprechungen verwendet werden kann. In den beiden anderen Geschossen gibt es zusätzlich je eine Micro Kitchen.

Der Ausbau ist sehr hochwertig – welches sind hier die wichtigsten Elemente, und wieso wurden sie gewählt?

Irina Meiser: Unser Ziel war es, Räume zu schaffen, die gut funktio­nieren, aber auch eine schöne Atmosphäre ausstrahlen. Dazu tragen verschiedene Gestaltungselemente bei, zum Beispiel die Holzver­kleidungen in den Kernzonen mit den abgerundeten Ecken, die Wahl der natürlichen Oberflächen wie Parkettböden oder die Textilien in den Räumen, die auch schalldämmend wirken. Die Verglasungen der Sitzungszimmer sorgen für Transparenz und Licht in den Innenräumen und strahlen zusammen mit dem Holz eine gewisse Eleganz aus. Ein weiteres Gestaltungselement ist der Teppich. Wir sind der Meinung, dass er gut zur Gestaltung der Innenräume wie auch zur Fassade passt und zusätzlich zu einer guten Akustik beiträgt.

Felix Kühne: Beim Teppich war ich zunächst hin- und hergerissen, es ist ja eine eigenwillige Lösung. Um Sicherheit für uns und AstraZeneca zu schaffen, haben wir einen Mock-up auf der Baustelle organisiert, um die finale Auswahl der Bodenbeläge zu treffen. Wir finden, dass das Resultat sehr gelungen ist.

Das Konzept setzt vollständig auf offene Arbeitsflächen und kommt ohne fixe Arbeitsplätze aus?

Felix Kühne: Ja, die Mitarbeitenden können ihren Arbeitsplatz innerhalb ihrer Abteilung frei wählen.

Worauf gilt es bei der Konzeption von offenen Arbeitsräumen speziell zu achten?

Irina Meiser: Die Akustik ist ein sehr wichtiges Thema. Wir haben bei AstraZeneca mit verschiedenen Elementen – unter anderem mit textilen Bodenbelägen, Vorhängen, Deckenmodulen und Schallabsorbern bei den Arbeitsplätzen – dafür gesorgt, dass die Arbeitsbedingungen in den Open Spaces vom Schall her sehr gut sind.

Felix Kühne: Je offener die Gestaltung von Arbeitsflächen ist, desto mehr zusätzliche Raumangebote müssen zur Verfügung stehen für konzentriertes Arbeiten, Besprechungen, informelles Austauschen usw. Für diese Strukturen steht zirka ein Drittel der Fläche zur Verfügung. Wichtig ist zudem, dass die Mitarbeitenden ihre persönlichen Materialien gut und unkompliziert versorgen können. Bei AstraZeneca verfügt jede Person über einen persönlichen Locker, in dem er oder sie die eigenen Arbeitsmaterialien aufbewahren kann.

Wie viele Mitarbeitende arbeiten in den Open Spaces – gibt es hier aus Ihrer Sicht eine Obergrenze?

Irina Meiser: Bei AstraZeneca arbeiten maximal etwa 20 Personen in einer Neighbourhood. Wie viele Personen in einem Grossraumbüro arbeiten können, hängt sehr stark vom Gebäudegrundriss ab. Der Quadrolith bot mit seinen Flügeln sehr gute Voraussetzungen für ein solches Konzept.

«Räume für Sitzungen, Teamwork oder konzentriertes Arbeiten machen ein Drittel der Fläche aus.»

Felix Kühne, Gesamtprojektleiter

Gab es besondere Knacknüsse bei diesem Projekt?

Felix Kühne: Die kurze Frist bei der Planung des Projekts war sicher eine grosse Herausforderung, da trotzdem eine hohe Planungs­sicherheit bei den Kosten gefordert war. Wir mussten die Materialisierungs- und Oberflächendetails teilweise sehr früh und präzise gelöst haben, damit die Alfred Müller AG diese wie gewünscht umsetzen konnte. Der grosse Einsatz hat sich aber gelohnt – wir sind mit dem Resultat sehr zufrieden.

War der Ausbau bei AstraZeneca für Sie ein besonderer Auftrag?

Felix Kühne: Wir haben schon für andere Firmen ähnliche Konzepte gestaltet. AstraZeneca war aber eine Bauherrschaft, die unsere Vorschläge sehr offen aufgenommen hat und die auch technologisch sehr weit ist. Die Zusammenarbeit mit dem Kunden, der Alfred Müller AG und auch innerhalb unseres Teams war spannend, professionell und konstruktiv. 

Werden Büroflächen künftig generell offen gestaltet – wie sehen Sie die Entwicklung?

Irina Meiser: Die Gestaltung der Arbeitsflächen ist für jedes Unter­nehmen eine Frage der Firmenphilosophie. Ist eine Firma eher progressiv oder konservativ? Welcher Stellenwert wird dem Austausch eingeräumt? Es geht nicht nur um offene oder geschlossene Büros, sondern um ein in sich stimmiges Konzept, das nicht nur schön aussieht, sondern auch funktional ist.